Blog | Digital Leadership: 4 Insights für Fuehrungskraefte von morgen

Veröffentlicht 24.03.2017 Claudine Petit

Employee Engagement
Digital Leadership: 4 Insights für Fuehrungskraefte von morgen

Unsere Gespräche und Diskussionen mit den größten Think Tanks und High-Tech-Unternehmen im Silicon Valley haben uns vor allem eines deutlich gezeigt: Unser heutiges Verständnis von Führung muss sich verändern. Um innovationsfähig zu bleiben und die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, muss sich auch unsere Art zu arbeiten und zu führen verändern – Digital Leadership ist das Stichwort. In meinem heutigen Blogartikel zeige ich Ihnen in vier Insights, was Führungskräfte lernen sollten, um zu Digital Leadern von morgen zu werden.

Vom letzten LeadershipGarage-Treffen sind wir mit vielen neuen Insights zurückgekommen: Mit Larry Leifer (Prof. in Mechanical Engineering an der Stanford University und Hauptvertreter des Design-Thinking-Konzeptes) haben wir gemeinsam die Design-Thinking-Methode an der d.school erörtert, mit Stefan Schnabl (Product Manager bei Google) haben wir über Führungskultur von Google diskutiert, mit Yvonne Bauer (Head of Predictive Analytics/Machine Learning bei SAP) sprachen wir über „Future of Work“ und „Data driven Decisions“. Und mit Bestsellerautor Bob Johansen („Leaders Make the Future“) diskutierten wir den Wandel zu netzwerkbasierten Organisationen und welche Merkmale Leader in 20 Jahren aufweisen müssen. Mit einigen Tagen Abstand haben sich für mich aus all diesen Eindrücken und neuen Ansätzen vier zentrale Themen in puncto Führung, Digital Leadership und Führungskräfteentwicklung herauskristallisiert, mit denen sich die führenden High-Tech-Unternehmen bereits heute beschäftigen, zu denen wir in Deutschland aber noch etwas lernen können.

1)   Digitalisierung nutzen statt abblocken

Ganz klar: Über die zunehmende Digitalisierung spricht derzeit jeder. Mit rasender Geschwindigkeit schreitet die digitale Transformation voran: Neue Technologien kommen auf den Markt und wir integrieren täglich neue Dienste wie Slack und Beam in unser Leben. Hier mitzuhalten und am Puls der Zeit zu bleiben, bedeutet für manche Freizeitspaß, für Führungskräfte steckt dahinter jedoch eine neue Herausforderung. Gerade durch die „Always on“-Mentalität oder das Motto „Go digital or die“ verändert sich unser Arbeitsleben enorm. Die Digitalisierung ist kein Trend, der morgen vorbei ist. Es gilt für Führungskräfte, einerseits selbst einen Weg zu finden, diese Technologien in den eigenen Arbeitsalltag zu integrieren und dessen Chancen zu nutzen.

Andererseits müssen die Teammitglieder auf diesem Weg abgeholt und begleitet werden. Denn nicht jeder Mitarbeiter kann mit dem Tempo der Digitalisierung umgehen, vielmehr fühlen sich einige davon überlastet. Führungskräfte müssen also nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitarbeiter dazu befähigen, eine gesunde Balance zwischen neuen und bewährten Technologien im Arbeitsleben zu finden. Wo sinnvoll, sollten die digitalen Technologien integriert werden – zum Beispiel für virtuelle Meetings in internationalen Teams. Wo noch Bedenken herrschen, sollten diese zerstreut oder klare Regeln aufgestellt werden, zum Beispiel bei der ständigen Erreichbarkeit über Messenger-Dienste.

Fazit für Digital Leader: Go digital – und befähigen Sie Ihre Mitarbeiter zum richtigen Umgang mit Chancen und Risiken.

 2)   Die Ungewissheit akzeptieren

„Be ready for the unexpected things” – dieser Leitsatz ist der Herzschlag der High-Tech-Unternehmen im Silicon Valley. Und auch wir in Deutschland sollten lernen, offener zu sein für Dinge, die kommen werden und die wir nicht ändern können. Die Digitalisierung oder den allgemeinen Wandel der Arbeitswelt auszusitzen und zu hoffen, dass es einen nicht betrifft, ist utopisch. Unternehmen und die künftigen Digital Leader müssen lernen, neue Herausforderungen, wie sie uns in den nächsten Jahren durch Innovationen immer öfter begegnen werden, als Chancen zu sehen. Das kann vom papierlosen Büro, über Homeoffice bis hin zu automatisierten Produktionsprozessen so ziemlich jeden Bereich einer Organisation oder eines Geschäftsmodells betreffen. Dabei geht es nicht darum, dass jedes deutsche Traditionsunternehmen die Denkweise eines agilen Start-ups übernimmt, denn bewährte Strukturen haben durchaus ihren Sinn. Aber Fakt ist, dass eine Generation junger Mitarbeiter nachkommt, die Veränderungen im Unternehmen anstoßen möchten – und sollten! Diese gilt es anzunehmen und das Beste herauszuholen, anstatt sich dem ungewissen Neuen zu versperren.

Fazit für Digital Leader: Lassen Sie zu, dass das einzig Stete der Wandel ist.

3)   Digital Leadership bedeutet weg von Hierarchien, hin zu Vertrauen

In der kalifornischen High-Tech-Branche ist Scheitern kein Drama, sondern wird als Chance begriffen, aus den Fehlern zu lernen, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Funktionieren kann das nur, wenn diese Kultur bis an die Unternehmensspitze hin gelebt wird. Deutsche Führungsetagen sind jedoch größtenteils noch weit entfernt davon, ihren Mitarbeitern die Freiheit zu lassen, Fehler zu machen und Verantwortung für diese zu übernehmen. Dazu notwendig ist ein Wandel weg von Hierarchien und Machtgehabe hin zu netzwerkbasiertem Arbeiten mit mehr Flexibilität.

Das funktioniert jedoch nur, wenn Führungskräfte Verantwortung abgeben und die einzelnen Teammitglieder dazu befähigen, selbst zu Experten zu werden. Der Digital Leader kann sich hier vom Konzept des „Ambidextrous Leadership“ inspirieren lassen: Die Kunst dieser „beidhändigen Führung“ ist es, dass im Sinne der Produktivität sowohl feste Strukturen und Prozesse gelten, das Team aber gleichzeitig innovativ und offen für neue Wege und Lösungen bleibt, um wettbewerbungsfähig zu sein.

Fazit für Digital Leader: Verantwortung abgeben, Fehler zulassen, das eigene Ego zurücknehmen und Hierarchien abbauen – das ist der Führungsstil, der dem Digital Leadership gerecht wird.

4)   Die Führungskraft als Coach

Arbeitnehmer der Zukunft haben es gut, denn sie werden nicht mehr geführt, sondern gecoacht. Führungskräfte der Zukunft müssen entsprechend zu „Storytellern“ werden, die motivieren und coachen. Ihre Aufgabe wird es sein, die verschiedenen Experten je nach Aufgabenstellung zusammenzubringen und sie zu befähigen, das Beste aus dem jeweiligen Projekt herauszuholen. Wir haben eine Checkliste mit 16 Tipps zur Mitarbeitermotivation zum Download für Sie zusammengestellt.

Es ist zukünftig weniger bedeutend, ein absoluter Experte auf einem Gebiet zu sein – vielmehr werden Empathie und Kommunikationsfähigkeit die reine Fachkenntnis ablösen: Leadership heißt, Menschen faszinieren und zusammenbringen zu können. Diese charismatischen Leader sind uns im Silicon Valley, zum Beispiel bei Google, recht häufig begegnet: Sie sind mitreißend, sportlich und gesundheitlich top fit, teils sogar spirituell und auf der Yoga-Matte anzutreffen. Von diesem Verständnis eines in sich ruhenden Leaders mit gefestigtem Charakter können wir definitiv noch etwas lernen. Ganz zentral für Führungskräfte auf diesem Weg: Feedback der Mitarbeiter einholen! Nur wer weiß, was seine Mitarbeiter antreibt, welche Themen sie beschäftigen und wo sie Verbesserungspotenzial sehen, kann entsprechend reagieren. Mitarbeiterbefragungen sind der Schlüssel zur besseren Führung.

Fazit für Digital Leader: Künftig zählt die emotionale Intelligenz mehr als die fachliche.

Nun gilt es, diese gewonnenen Erkenntnisse auch auf unsere deutsche Unternehmenskultur zu übertragen. Nicht als 1:1-Kopie, sondern angepasst auf die individuellen Bedürfnisse und Gegebenheiten. Keine leichte Aufgabe – aber eine inspirierende, aus der wir viel lernen können. Da tut es gut zu hören, dass auch amerikanische Tech-Giganten einiges von uns lernen können: in puncto Effizienz, Pünktlichkeit und Sinn für wichtige Details macht uns Deutschen so schnell keiner was vor. Also, legen wir los!

Möchten Sie mehr über die Themen Mitarbeitermotivation oder Führungskräfteentwicklung als Leadership Tool von morgen erfahren? Lesen Sie unsere Blogartikel: Wettbewerbsfaktor Mitarbeitermotivation: Warum Mitarbeiter motivieren Chefsache ist und Führungskräfteentwicklung: Was gute Führung ausmacht und wie Sie die Führungsqualität verbessern.

 

Bildquellen:
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